Zwei Reihenendhäuser und zwei Reihenmittelhäuser bilden ein kompaktes Ensemble über den Dächern von Nagold mit direktem Blick zur Burgruine Hohennagold. Der Entwurf ist klar, modern und konsequent aus der Topografie entwickelt.
„Bei diesem Projekt diente mir die Klaviatur eines Pianos als Entwurfsvehikel. Nicht als Metapher, sondern als strukturelles Prinzip: Rhythmus, Wiederholung, Pausen und Grenzen als Fugen zwischen den Tasten. Während des Spielens wurden die Tasten zu Maß, Ordnung und Abfolge – schwarze und weiße Felder als Verdichtung und Leere, Spannung und Ruhe. So entstand ein Entwurf, der nicht dekorativ ist, sondern räumlich funktioniert.“ – M.Sc. Erhan Arslan, Architekt

Zentrales Konzept ist die ehrliche Ablesbarkeit der Wohnungstrennwände: Sie funktionieren nicht nur als Brand- und Schallschutz, sondern treten bewusst als gestaltprägendes Element in Erscheinung. Die Trennwände werden als sichtbare Sichbetonfassaden nach außen geführt und strukturieren das Gesamtvolumen deutlich. Innen wie außen entsteht so eine klare Ordnung und eine starke architektonische Identität.
Die Grundrisse sind logisch und effizient organisiert. Jede Einheit besitzt klar definierte Bereiche: eine eindeutige Eingangssituation, getrennte Stellplatz- und Zugangsbereiche sowie private, ruhige Gärten mit klarer Abgrenzung zum Nachbarn. Nähe wird zugelassen, ohne Privatheit aufzugeben.
Die größte Herausforderung lag in der Topografie. Die Gebäude springen nicht nur horizontal vor und zurück, sondern auch vertikal in der Höhe. Diese Staffelung war zwingend notwendig, um auf das Gelände zu reagieren und gleichzeitig hochwertige Belichtungs- und Blickbeziehungen zu schaffen. Die Ansichten zeigen diese Versätze bewusst und machen sie zum integralen Bestandteil der Gestaltung.

Zur präzisen Umsetzung reichten klassische 2D-Pläne nicht aus. Ergänzend waren detaillierte 3D-Visualisierungen und ein physisches Modell notwendig, um Schalungshöhen, Übergänge und das Fugenbild der Sichtbetonfassaden exakt festzulegen. Nur so ließ sich die gewünschte Präzision in der Ausführung sicherstellen.

Parallel dazu erforderte die energetische Konzeption eine hohe Detailtiefe. Mehrere Schnitte und konstruktive Details waren notwendig, um eine durchgängige thermische Hülle ohne Wärmebrücken zu definieren und realistisch umsetzen zu können.
Das Ergebnis ist ein kraftvolles, ruhiges Wohnensemble: präzise geplant, konstruktiv ehrlich und konsequent aus Ort, Topografie und Nutzung entwickelt.
